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26.04.2021

Interview mit Gründungsmitglied

Fragen zum Vereinsjubiläum an das Gründungsmitglied und langjährigen Kassenwart Andreas Hentrich
 
Wie bist Du auf den Hospizgedanken gekommen?

​Seinerzeit besuchte ich Seminare für meinen Beruf und für meine Gewerkschaftsarbeit.
Mit 40 Jahren kannte ich aber weder die Gefühle von Sterbenden noch die der trauernden Zugehörigen. Das machte mich in einer konkreten Situation hilflos.
So nahm ich mir vor, sobald ich etwas über Fortbildung für die Zeit des „zu-Ende-gehenden-Lebens“ hören würde, wollte ich dabei sein.

Was hat Dich motiviert, den Verein mitzugründen?

​Mit 46 Jahren hörte ich, dass in einem Vortrag „Dem Sterben ein Zuhause geben“ über die Entwicklung der Hospizbewegung informiert werden sollte. Nach diesem Wissen brannte ich für die Hospiz-Idee und unterschrieb auf der Versammlung am 25.04.96 zusammen mit 43 anderen Gleichgesinnten die Gründungs-Urkunde des Hospiz-Verein Hameln.

Warum hast Du im Verein mitgearbeitet?

​Als ich 53 Jahre alt war, starb meine Mutter im Hospiz Mutter Anselma Friedensthal in Bad Pyrmont. In mehreren Wochen konnte ich dort die wohltuende Atmosphäre in hellen Räumen erleben. Die Mitarbeiterinnen begegneten ihren Gästen aufmerksam, freundlich, ruhig, ausgeglichen. Meine Mutter fühlte sich sehr wohl. Kurz danach wurde im Hamelner Verein die Stelle des Kassenwarts frei. Dafür stellte ich mich mit meinem Wissen als Bankkaufmann zur Verfügung.

Was hat Dir der Verein gegeben?

​Meine Mitarbeit im Hospiz-Verein Hameln hat mich zufrieden gemacht! Ich konnte meine Freizeit sinnvoll und nützlich einsetzen. Ein großes Geschenk war für mich meine Ausbildung zur Sterbe- und Trauerbegleitung. Die Dankbarkeit der Teilnehmer am monatlichen Frühstück für Trauernde ab 2007 hat mich sehr berührt.

Was war der Höhepunkt in der Vereinsarbeit in den 25 Jahren für Dich?

​Die Foto-Wander-Ausstellung 2010 „In Zuversicht leben und sterben“ mit dem vielfältigen Rahmenprogramm über eine Woche. 400 Menschen interessierten sich für dieses Thema.
​Die wachsende Spendenbereitschaft durch die konstante, individuelle Betreuung der Spender. Der Umfang unserer Hospiz-Arbeit hängt sehr von Spenden ab.
​Besonders wichtig war mir in den Jahren 2012 und 2013 der Fortbestand des Vereins. Die Arbeit übernahm ein reduziertes Vorstandsteam, weil nicht jede Position besetzt werden konnte.
​Der stetige Mitgliederzuwachs zeigt, wie wichtig der Hamelner Bevölkerung unsere Hilfe in schweren Lebenssituationen ist.
​Die mittlerweile geregelte Förderung nach §39a durch die Krankenkassen ermöglicht uns konstante professioneller Arbeit.
​Auf den Umzug in ein größeres Büro mit Schulungsraum und Außengelände bin ich stolz.

Was möchtest Du uns und anderen noch sagen?

​Seid Euch im Vorstand jährlich ein gemeinsames Supervision-Wochenende außerhalb Hamelns wert.

„Wir sehen die Dinge nicht wie sind. Wir sehen sie, wie wir sind.“
​​​​​​​​​​(Anais Nin)

„Die unbequemste Art der Fortbewegung ist das In-sich-gehen.“
​​​​​​​​​​(Karl Rahner)



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